KI-Kompetenzpflicht & Mitbestimmung: Was Betriebsräte zum AI Act wissen müssen
Betriebsräte haben weitreichende Mitwirkungs- und Mitbestimmungsrechte, wenn es um die Fort- und Weiterbildung der Arbeitnehmer geht (Paragrafen 92 bis 98 des Betriebsverfassungsgesetzes). Diese Rechte sind entscheidend, um sicherzustellen, dass die Belegschaft kontinuierlich auf dem neuesten Stand bleibt und neue Technologien – wie Künstliche Intelligenz (KI) – sicher und effektiv genutzt werden können. Besonders im Kontext des AI Acts und der darin verankerten KI-Kompetenzpflicht sind Betriebsräte gefragt: Sie müssen im Hinblick auf den AI Act darauf achten, dass die Belegschaft im Umgang mit neuen KI-Technologien angemessen geschult wird, um die KI-Kompetenzpflicht zu erfüllen.
Am 2. Februar 2025 traten wichtige Regelungen des AI Acts in Kraft, die Unternehmen zur Fort- und Weiterbildung ihrer Arbeitnehmer im Bereich KI verpflichten. Wie wichtig der Aufbau der Kompetenzen der Arbeitnehmer im Bereich KI ist, wird deutlich anhand der folgenden Statistiken:
- PwC-Studie: Eine Umfrage unter 2.000 Berufstätigen zeigte, dass nur ein Drittel der Befragten sich selbst über gute KI-Kenntnisse verfügt. Diese Zahl verdeutlicht, dass der Großteil der Arbeitnehmer noch erheblichen Nachholbedarf im Bereich der Künstlichen Intelligenz hat – ein Trend, der sich durch verschiedene Berufsgruppen zieht.
- Stifterverband und McKinsey-Umfrage: Eine gemeinsame Umfrage unter 1.000 Führungskräften ergab, dass 79 Prozent der Beschäftigten grundlegende KI-Kompetenzen vermissen. Diese Zahl unterstreicht den dringenden Bedarf an Weiterbildungsmaßnahmen, die nicht nur technische Fähigkeiten, sondern auch das Verständnis für die Anwendung von KI in verschiedenen Arbeitskontexten fördern.
- YouGov-Umfrage: Eine Umfrage unter über 1.000 Berufstätigen zeigte, dass 56 Prozent der Befragten KI bei der Arbeit kaum nutzen. Zudem gaben 50 Prozent an, nicht zu wissen, wie sie mit KI-Anwendungen umgehen sollen. Diese Zahlen belegen, dass viele Mitarbeiter sich unsicher im Umgang mit KI-Technologien fühlen und eine umfassende Schulung benötigen, um diese Werkzeuge effektiv zu nutzen.
- DNV-Umfrage: Eine Umfrage ergab, dass nur 6 Prozent der Befragten sich als kompetent im Umgang mit KI-Systemen einstufen. Weitere 25 Prozent halten sich für mittelmäßig kompetent. Die restlichen Teilnehmer fühlen sich deutlich weniger qualifiziert, was den hohen Bedarf an KI-Weiterbildung und -Schulung weiter verdeutlicht.
Betriebsräte sollten auch aufgrund dieser Statistiken ihre Mitbestimmungsrechte im Bereich der Weiterbildung stärker wahrnehmen, um sicherzustellen, dass die Mitarbeiter mit den erforderlichen KI-Kompetenzen ausgestattet werden. In diesem Blogbeitrag möchten wir die zentralen Aspekte der KI-Kompetenzpflicht und die Aufgaben der Betriebsräte in diesem Zusammenhang beleuchten. Für alle, die einen tiefergehenden Einblick in das Thema wünschen, bieten wir zudem ein 2-stündiges Kompaktwebinar an, das einen praxisorientierten Handlungsleitfaden zur Umsetzung der KI-Kompetenzpflicht aus betriebsrätlicher Sicht liefert.
Was ist der AI Act?
Der AI Act (Artificial Intelligence Act) ist die erste umfassende Verordnung zur Regulierung künstlicher Intelligenz (KI) in der Europäischen Union. Diese KI-Verordnung wurde am 12. Juli 2024 im Amtsblatt der EU veröffentlicht und trat am 1. August 2024 in Kraft.
Am 2. Februar 2025 traten wichtige Teile des AI Acts (Artificial Intelligence Act) in Kraft, der umfassenden KI-Verordnung der Europäischen Union. Die Hauptpunkte, die ab diesem Datum gelten, sind:
- KI-Kompetenzpflicht: Anbieter und Betreiber von KI-Systemen müssen sicherstellen, dass ihr Personal und andere beteiligte Personen über ausreichende KI-Kompetenz verfügen. Dies gilt für alle Organisationen, die KI einsetzen, unabhängig vom Risikograd der KI.
- Verbot von KI-Systemen mit unannehmbarem Risiko: Bestimmte KI-Anwendungen werden verboten, darunter:
- Systeme zur Ausnutzung von Schwächen besonders schutzbedürftiger Personen
- Social Scoring-Systeme
- Systeme zur kognitiven Verhaltensmanipulation
- Biometrische Echtzeit-Fernidentifizierung (mit wenigen Ausnahmen)
- Biometrische Kategorisierung
Diese Regelungen sind Teil der schrittweisen Einführung des AI Acts, der darauf abzielt, die Entwicklung und Nutzung von KI in der EU zu fördern und gleichzeitig die Grundrechte der EU-Bürger zu schützen
Mitbestimmungsmöglichkeiten der Betriebsräte im Hinblick auf die Fort- und Weiterbildung:
- Vorschlagsrecht (§ 96 BetrVG): Betriebsräte haben das Recht, Vorschläge zur Berufsbildung zu machen und können vom Arbeitgeber eine Ermittlung des Berufsbildungsbedarfs verlangen. Dies bedeutet, dass Betriebsräte aktiv in die Planung von Weiterbildungsstrategien eingebunden werden können, um sicherzustellen, dass die Belegschaft in relevanten Bereichen, wie etwa Künstlicher Intelligenz, kompetent bleibt. In Bezug auf den AI Act und die KI-Kompetenzpflicht können Betriebsräte darauf hinwirken, dass der Bedarf an spezifischen Schulungen im Umgang mit KI-Technologien ermittelt und in die Weiterbildungsstrategie aufgenommen wird.
- Mitbestimmungsrecht bei der Einführung von Weiterbildungsmaßnahmen (§ 97 Abs. 2 BetrVG): Wenn sich durch neue Technologien, wie etwa KI-Systeme, Tätigkeiten der Arbeitnehmer ändern und deren Kenntnisse und Fähigkeiten nicht mehr ausreichen, haben Betriebsräte ein Mitbestimmungsrecht. Sie können mitbestimmen, wie Weiterbildungsmaßnahmen gestaltet und umgesetzt werden. Besonders im Hinblick auf die KI-Kompetenzpflicht des AI Acts können Betriebsräte sicherstellen, dass die erforderlichen Schulungen zur Nutzung von KI-Tools wie ChatGPT, Copilot oder DeepL effektiv und bedarfsgerecht eingeführt werden.
- Gestaltung von Weiterbildungsmaßnahmen (§ 98 BetrVG): Betriebsräte können nach § 98 BetrVG den Inhalt, Umfang und Empfängerkreis von Weiterbildungs- und Qualifizierungsangeboten mitgestalten. Hierbei können sie sicherstellen, dass Schulungsmaßnahmen in Bezug auf den Umgang mit KI-Technologien nicht nur den fachlichen Anforderungen entsprechen, sondern auch auf die spezifischen Bedürfnisse der Mitarbeiter abgestimmt sind. Dies umfasst nicht nur die Auswahl der relevanten Themen, sondern auch die Bestimmung der Zielgruppen innerhalb des Unternehmens, um eine möglichst breite und nachhaltige Qualifikation der Belegschaft zu erreichen.
Aufgaben und Rechte der Betriebsräte im Rahmen der KI-Kompetenzpflicht
Durch die folgenden Maßnahmen können Betriebsräte aktiv dazu beitragen, dass die KI-Kompetenz der Belegschaft aufrechterhalten und weiter ausgebaut wird – und gleichzeitig sicherstellen, dass die Anforderungen des AI Acts erfüllt werden.
- Bedarfsermittlung:
- Betriebsräte sollten aktiv an der Ermittlung des Schulungsbedarfs mitwirken und sicherstellen, dass die spezifischen Anforderungen des AI Acts berücksichtigt werden.
- Um Wissenslücken zu identifizieren, können sie Umfragen durchführen oder Gespräche mit den Mitarbeitern führen, um den Bedarf an KI-Schulungen präzise zu ermitteln.
- Mitbestimmung bei Schulungsinhalten:
- Betriebsräte haben das Recht, bei der Gestaltung der Schulungsinhalte mitzuwirken.
- Sie sollten sicherstellen, dass die Schulungen nicht nur die rechtlichen Anforderungen des AI Acts erfüllen, sondern auch praxisnah und für die Mitarbeiter verständlich sind. Eine gute Praxisorientierung ist entscheidend, um das Gelernte direkt im Arbeitsalltag anzuwenden.
- Zeitliche und organisatorische Planung:
- Betriebsräte können die Planung des Schulungszeitplans mitgestalten und darauf achten, dass Schulungen so stattfinden, dass alle Mitarbeiter ausreichend teilnehmen können.
- Sie sollten sicherstellen, dass die Schulungen während der Arbeitszeit angeboten werden, um die Teilnahme für alle Mitarbeiter zu gewährleisten.
- Gleichberechtigter Zugang:
- Es ist Aufgabe des Betriebsrats, sicherzustellen, dass alle Mitarbeiter gleichen Zugang zu den Schulungen haben – unabhängig von Abteilung, Position oder Vorerfahrung.
- Besonders benachteiligte Gruppen, wie Mitarbeiter mit geringem digitalen Wissen, sollten gezielt in den Schulungsprozess integriert werden.
- Qualitätssicherung:
- Betriebsräte haben die Möglichkeit, die Qualität der Schulungen zu überwachen und regelmäßig Feedback von den Teilnehmern einzuholen.
- Bei Bedarf können sie Verbesserungsvorschläge einbringen, um die Effektivität und Relevanz der Schulungen kontinuierlich zu steigern.
- Nachhaltigkeit der Schulungen:
- Betriebsräte sollten darauf achten, dass KI-Schulungen nicht als einmalige Veranstaltung durchgeführt werden, sondern als Teil eines langfristigen und nachhaltigen Lernprozesses.
- Auffrischungskurse und kontinuierliche Weiterbildungen sollten angeregt werden, um sicherzustellen, dass die Mitarbeiter stets auf dem neuesten Stand der Technik bleiben.
- Einbeziehung externer Experten:
- Betriebsräte können externe Experten oder Fachleute hinzuziehen oder Vorschläge für externe Schulungsanbieter machen.
- Diese Experten können dazu beitragen, die Komplexität der KI-Technologien verständlich zu vermitteln und praxisnahe Ansätze zu liefern.
- Evaluation und Feedback:
- Nach Abschluss der Schulungen sollten Betriebsräte systematisch Feedback von den Teilnehmern einholen, um die Qualität der Schulungsmaßnahme zu bewerten.
- Sie können aktiv an der Auswertung der Schulungsergebnisse mitwirken, um Verbesserungspotenziale zu identifizieren und die Trainingsangebote kontinuierlich zu optimieren.
- Verknüpfung mit der Personalentwicklung:
- Betriebsräte sollten darauf achten, dass KI-Schulungen nicht isoliert stattfinden, sondern in die gesamte Personalentwicklungsstrategie des Unternehmens integriert werden.
- Sie können sicherstellen, dass KI-Kompetenzen als Bestandteil des langfristigen beruflichen Wachstums und der Karriereentwicklung der Mitarbeiter berücksichtigt werden.
- Dokumentation:
- Betriebsräte sollten auf eine ordnungsgemäße Dokumentation der durchgeführten Schulungen achten, um Nachweise für die Erfüllung der KI-Kompetenzpflicht gemäß AI Act zu sichern.
- Eine lückenlose Dokumentation stellt sicher, dass die Schulungsmaßnahmen nachvollziehbar sind und den rechtlichen Anforderungen des AI Acts entsprechen.
- Bedarfsermittlung:
Webinartipp
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Inhalte:
- Was ist der AI Act?
- Rechtliche Grundlagen
- Aufgaben von Betriebsräten im Rahmen der Erfüllung der KI-Kompetenzpflicht
- Handlungsfähig werden: Schritt für Schritt zur erfolgreichen Umsetzung der Anforderungen an Betriebsräte
Schulungsbedarf und -inhalte ermitteln
Um den Schulungsbedarf für KI-Kompetenzen zu ermitteln und die notwendigen Schulungsinhalte festzulegen, sollten sich Betriebsräte folgende Fragen stellen:
- Welche KI-Systeme sind bereits im Einsatz oder geplant?
- Welche Abteilungen und Arbeitsprozesse sind betroffen?
- Wie komplex sind die eingesetzten KI-Anwendungen?
- Wie ist der aktuelle Wissensstand der Mitarbeiter bezüglich KI?
- Gibt es Unterschiede zwischen verschiedenen Abteilungen oder Hierarchieebenen?
- Welche Vorkenntnisse und Erfahrungen haben die Mitarbeiter bereits?
- Welche spezifischen Anforderungen stellt der AI Act an unser Unternehmen?
- In welche Risikoklasse fallen unsere KI-Anwendungen?
- Welche rechtlichen und ethischen Aspekte müssen berücksichtigt werden?
- Wie wirkt sich der KI-Einsatz auf die Arbeitsplätze und Tätigkeiten der Mitarbeiter aus?
- Welche neuen Fähigkeiten werden benötigt?
- Gibt es Ängste oder Vorbehalte gegenüber KI bei den Mitarbeitern?
- Welche praktischen Anwendungsfälle von KI sind für unseren Betrieb relevant?
- Welche KI-Tools sollen konkret eingesetzt werden?
- Wie können Mitarbeiter KI effektiv in ihren Arbeitsalltag integrieren?
- Welche Sicherheits- und Datenschutzaspekte müssen bei der KI-Nutzung beachtet werden?
- Wie können Mitarbeiter verantwortungsvoll mit sensiblen Daten umgehen?
- Welche Risiken bergen KI-Systeme für den Datenschutz?
- Wie können wir die Qualität und Nachhaltigkeit der Schulungen sicherstellen?
- Welche Evaluationsmethoden sind geeignet?
- Wie oft sollten Auffrischungskurse angeboten werden?
- Welche externen Experten oder Ressourcen können wir für die Schulungen hinzuziehen?
- Gibt es spezialisierte Anbieter für KI-Schulungen in unserer Branche?
- Welche internen Kompetenzen können wir nutzen?
Durch die Beantwortung dieser Fragen können Betriebsräte einen umfassenden Überblick über den Schulungsbedarf gewinnen und sicherstellen, dass die KI-Schulungen alle relevanten Aspekte abdecken
Fazit
Die KI-Kompetenzpflicht des AI Acts stellt Unternehmen und Betriebsräte vor neue Herausforderungen, bietet aber auch große Chancen. Betriebsräte spielen eine entscheidende Rolle, um sicherzustellen, dass die Belegschaft in Bezug auf Künstliche Intelligenz umfassend geschult wird – und damit die Anforderungen des Gesetzes erfüllt werden. Durch ihre Mitbestimmungsrechte und Mitwirkungsoptionen können sie aktiv dazu beitragen, dass Schulungsmaßnahmen gezielt auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter abgestimmt werden. Besonders wichtig ist, dass die Schulungen nicht nur einmalig, sondern regelmäßig und nachhaltig stattfinden, um die Belegschaft langfristig zu befähigen, mit den sich ständig weiterentwickelnden Technologien umzugehen.
Die Studien zeigen deutlich: Der Weiterbildungsbedarf im Bereich KI ist enorm und muss dringend angegangen werden. Betriebsräte haben jetzt die Chance, als Impulsgeber und Mitgestalter in der Fort- und Weiterbildung eine zentrale Rolle zu übernehmen und aktiv zur Qualifizierung ihrer Kollegen beizutragen. Der AI Act fordert nicht nur eine umfassende Weiterbildung im Umgang mit KI, sondern auch eine gerechte Verteilung des Zugangs zu diesen Schulungen. Betriebsräte sollten daher nicht nur als Kontrollinstanz agieren, sondern proaktiv in die Gestaltung und Umsetzung der Bildungsstrategie einfließen.
Wenn Betriebsräte ihre Mitbestimmungsrechte effektiv nutzen und ihre Aufgaben im Bereich der KI-Kompetenzpflicht aktiv wahrnehmen, können sie maßgeblich dazu beitragen, dass das Unternehmen nicht nur rechtlich auf der sicheren Seite ist, sondern auch die Zukunftsfähigkeit seiner Belegschaft sichert. So wird der Weg für eine erfolgreiche digitale Transformation geebnet – und das mit einem starken Fokus auf die Kompetenz und Gleichberechtigung aller Mitarbeiter.
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Quellen
- https://www.wsi.de/fpdf/HBS-008599/p_wsi_pb_77_2023.pdf
- https://www.pwc.de/de/mittelstand/berufstaetige-sind-offen-fuer-die-arbeit-mit-ki-anwendungen.html
- https://www.faz.net/pro/digitalwirtschaft/kuenstliche-intelligenz/fehlende-ki-kenntnisse-bremsen-den-fortschritt-110244880.html
- https://nachrichten.idw-online.de/2025/01/15/wirtschaftsumfrage-grosser-nachholbedarf-bei-der-staerkung-von-ki-kompetenzen-in-deutschen-unternehmen
- https://www.it-daily.net/it-management/ki/ki-am-arbeitsplatz-arbeitnehmer-und-unternehmen-muessen-aufholen
- https://www.fonio.ai/news-cool-stuff/ki-kompetenzen-studie-deutschlands-unternehmen-hinken-hinterher
- https://www.dnv.de/news/umfrage_zur_erfolgreichen_umsetzung_von_ki/
- https://www.ey.com/de_at/insights/ai/kuenstliche-intelligenz-kompetenz-unternehmen
- https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1499513/umfrage/optimierung-von-ki-kompetenz-in-verlagen-in-deutschland/



















