Die Jugend- und Auszubildendenvertretung (JAV)

Der Ansprechpartner mit offenem Ohr für Jugendliche und Azubis im Betrieb.

 

Die Vertretung der Jugend und Auszubildenden (JAV) im Betrieb, besser bekannt als JAV, agiert als Sprachrohr für die Belange junger Arbeitnehmer in Unternehmen mit einem bestehenden Betriebsrat. Anders als ein eigenständiges Gremium ist die JAV keine unabhängige Institution, sondern handelt, indem sie beim Betriebsrat Maßnahmen für das Wohl der jungen Arbeitnehmer vorschlägt. Die JAV ist mehr als nur eine Interessenvertretung. Sie ist der Schlüssel zur Mitbestimmung und ermöglicht jungen Arbeitnehmern, aktiv an der Gestaltung ihrer beruflichen Zukunft teilzunehmen. Doch was genau verbirgt sich hinter dieser Abkürzung, und warum ist die Gründung einer JAV so entscheidend? Hier erfährst du nicht nur die Grundlagen, sondern auch, wie du aktiv dazu beitragen kannst, eine JAV in deinem Betrieb zu etablieren.

JAV & Betriebsrat

Laut Betriebsverfassungsgesetz ist die Gründung einer Jugend- und Auszubildendenvertretung Pflicht, sobald ein Betriebsrat existiert und mindestens fünf Arbeitnehmer unter 18 Jahren oder in Berufsausbildung vorhanden sind. Die nächsten Wahlen stehen 2024 an – jetzt ist also die ideale Zeit, sich über die JAV-Wahl und deren Vorteile zu informieren.

Ein Betriebsrat muss im Betrieb vorhanden sein, da die JAV diesem untergeordnet ist und z. B. keine Beschlüsse fassen kann. Die JAV ist dem Betriebsrat untergeordnet, da nur dieser direkt mit dem Arbeitgeber Verhandlungen führen kann, arbeitet jedoch eng mit diesem zusammen. Die enge Zusammenarbeit ist gesetzlich geregelt. So muss der Betriebsrat die JAV z. B. auch in allen Angelegenheiten beraten, sie mit Informationen, Unterlagen und Hinweisen versorgen, die sie zur Aufgabenerfüllung benötigen und vieles mehr. So nehmen JAV-Mitglieder z. B. regelmäßig an Betriebsratssitzungen teil. Bei Tagesordnungspunkten, die die jugendlichen Beschäftigten, Auszubildende oder dual Studierende besonderes betreffen habe sie ebenfalls ein besonderes Stimmrecht für die BR-Sitzung (§ 67 Abs. 1 BetrVG). In diesem Fall kann die JAV auch an Besprechungen oder Verhandlungen mit dem Arbeitgeber teilnehmen (§ 68 BetrVG).

JAV-Aufgaben im Fokus

Als JAV könnt ihr Maßnahmen beantragen, die den jungen Arbeitnehmern oder Auszubildenden zugutekommen (§ 69 Abs. 2 BetrVG, § 70 Abs. 1 BetrVG). Dadurch gebt ihr der nächsten Generation von Arbeitnehmenden im Betrieb eine Stimme und setzt euch für bessere Arbeitsbedingungen ein. Das ist wichtig, weil die Jugend- und Auszubildendenvertretung häufig ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse, Wünsche und Probleme Gleichaltriger hat. Eure Aufgaben erfordern eine enge Verbindung zu den Jugendlichen und Azubis im Betrieb. Die zwei Wesentlichen Aufgaben sind:

  1. Sie muss darauf achten, dass alle relevanten Gesetze (z. B. Jugendarbeitsschutz-, Berufsbildungs-, Mutterschutz- und Arbeitszeitgesetz), Verordnungen (z. B. Arbeitsstättenverordnung), Unfallverhütungsvorschriften, Dienstvereinbarungen, Verwaltungsvorschriften und Tarifverträge im Betrieb eingehalten werden, die zugunsten der jugendlichen und auszubildenden Arbeitnehmer gelten (Kontrollpflicht)
  2. Außerdem hat die JAV die Aufgabe, auf die Verbesserung der Ausbildungsbedingungen Einfluss zu nehmen.

Weitere Beispiele für Aufgaben der JAV:

  1. Beratung von Jugendlichen und Auszubildenden:
    • Hilfestellung bei Fragen rund um Arbeit und Ausbildung.
  2. Einstellung und Übernahme:
    • Schaffung von Ausbildungsplätzen
    • Einsatz für die unbefristete Übernahme aller Azubis nach der Abschlussprüfung
    • Verfolgung der Ausschreibung von Arbeitsplätzen damit sich Azubis schon vor Ende ihres Ausbildungsverhältnisses bewerben können
  3. Förderung der Gleichstellung von Frauen und Migranten:
    • Engagement für die Gleichstellung von Frauen und Migranten im Unternehmen.
  4. Regelmäßige Sitzungen zur Problemlösung:
    • Zusammenkünfte zur Besprechung von Problemen und Entwicklung von Lösungen.
  5. Ausbildungsbedingungen:
    • Schaffung von geregelten Arbeitszeiten, genügend Urlaub und einer angemessene Vergütung
    • Verbesserung der Ausstattung von Ausbildungswerkstätten und -plätzen.
    • das kostenlose Bereitstellen von Arbeits- und Sicherheitskleidung.
    • Besprechung von Maßnahmen/Änderungen an der betrieblichen Berufsbildung mit dem Betriebsrat
    • Durchführung von zusätzlichem Fachunterricht im Betrieb
    • Besprechung der Einführung/Änderung von Beurteilungen für Auszubildende mit dem Betriebsrat
    • Beschaffung zusätzlicher Ausbildungsmittel.
    • Durchsetzung von Ausbildungsstandkontrollen.
    • Einführung von Job-Tickets bzw. Übernahme der Fahrtkosten.
    • Kostenfreie Bereitstellung von Arbeits- und Sicherheitskleidung.
    • Schaffung einer modernen und qualifizierten Ausbildung
  6. Förderung von Integration und Antragswesen:
    • Anträge für Maßnahmen zur Integration von Jugendlichen und Auszubildenden ausländischer Herkunft.
    • Beantragung von Maßnahmen im Sinne der Jugendlichen, Auszubildenden und dual Studierenden.

Um diesen Aufgaben gerecht zu werden, pflegt die JAV intensiven Kontakt zu den Jugendlichen und Auszubildenden im Betrieb, beispielsweise durch Fragebogenaktionen, persönliche Besuche in den Abteilungen und Einladungen zu Versammlungen. Die Jugend- und Auszubildendenvertretung setzt sich aktiv für die Belange der jungen Generation im Unternehmen ein und trägt zur Schaffung einer positiven Ausbildungsatmosphäre bei.

Sprechstunden

Um gut mit den Jugendlichen und Auszubildenden in Kontakt zu bleiben, kann die JAV eigene Sprechstunden einrichten (wenn im Betrieb in der Regel mehr als 50 zur JAV wahlberechtigte ArbeitnehmerInnen beschäftigt werden (§ 69 S. 1 BetrVG)).
In kleineren Betrieben müssen die Jugendlichen und Auszubildenden die Sprechstunde des Betriebsrats in Anspruch nehmen.

Wenden sich die Jugendlichen, Auszubildenden und dual Studierenden an die JAV, muss diese die Personen während des gesamten Vorgangs über den aktuellen Stand informieren. Das darf sie tun über:

  • ein persönliches Gespräch
  • ein Schreiben an die Betroffenen
  • eine Jugend- und Auszubildendenversammlung
  • ein Infoblatt inkl. Bericht
  • andere kreative Aktionen

Freistellung der Jugend- und Auszubildendenvertretung

JAV-Mitglieder haben das Recht auf Arbeitsbefreiung gemäß § 37 Abs. 2 BetrVG, um ihre Aufgaben ordnungsgemäß zu erfüllen. Die Gesetzgebung stellt klar, dass die Verpflichtungen aus der Tätigkeit über den Pflichten aus Arbeitsverträgen stehen.

Arbeitspensum und Vergütung:

  • Der Arbeitgeber darf JAV-Mitglieder nicht mit Vollzeitarbeit belasten.
  • Eine Reduzierung der Ausbildungsvergütung oder des Arbeitsentgelts aufgrund der JAV-Tätigkeit ist unzulässig.

Voraussetzungen für die Freistellung:

  • Arbeitsbefreiung ist nur für die Durchführung von JAV-Aufgaben erforderlich (z. B. Sitzungen, Betriebsbegehungen).
  • Die Freistellung muss notwendig sein, um die Tätigkeit ordnungsgemäß auszuüben.

JAV-Rechte

Informations-, Antrags- und Anregungsrechte ermöglichen euch eine aktive Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und die erfolgreiche Vertretung der Jugendinteressen. Darüber hinaus genießen JAV-Mitglieder einen besonderen Schutz, um eure Aufgaben effektiv zu erfüllen.

Die Jugend- und Auszubildendenvertretung  hat das Recht:

  • vier Mal jährlich während der Arbeitszeit alle wahlberechtigten jungen Beschäftigten zu einer Versammlung einzuladen. Der Raum für die Versammlung muss vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellt werden
  • für Schulungen freigestellt zu werden
  • vom Betriebsrat rechtzeitig und umfassend informiert zu werden, damit die JAV seine Aufgaben wahrnehmen kann (Unterrichtungsanspruch)
  • Fragebogenaktionen zu starten, um zum Beispiel die Gesundheit der Beschäftigten abzufragen
  • bei Beschlüssen des Betriebsrats mit abzustimmen, wenn sie die Jugendlichen, Auszubildenden und dual Studierenden betreffen
  • an allen Betriebsratssitzungen teilzunehmen
  • an Besprechungen zwischen Betriebsrat und Arbeitgeber teilzunehmen, wenn die Themen die JAV betreffen
  • Maßnahmen beim Betriebsrat zu beantragen, die für die Auszubildende wichtig sind (Antragsrecht). Für die Beantragung muss die JAV zunächst einen Beschluss gefasst haben.

Anregungsrecht

Während der Arbeits- oder Ausbildungszeit können sich Jugendliche und Auszubildende mit Anregungen, Beschwerden, o. ä. an die JAV wenden (§ 70 Abs. 1 Nr. 3 BetrVG, §§ 84 und 85 BetrVG). Diese muss dann in ihrer Sitzung die Anregungen prüfen und beschließen, ob diese für berechtigt oder unberechtigt sind:

  • Unberechtigte Anregungen: Die Jugend- und Auszubildendenvertretung fasst einen entsprechenden Beschluss und informiert den Antragsteller.
  • Berechtigte Anregungen: Die Jugend- und Auszubildendenvertretung fasst einen entsprechenden Beschluss und wirkt beim Betriebsrat (nicht beim Arbeitgeber) auf Erledigung hin. Der Betriebsrat prüft dann die Angelegenheit und tritt mit dem Arbeitgeber in Verhandlungen.

Kündigungsschutz und Übernahmeanspruch

Mitglieder der JAV haben Kündigungsschutz und können auf Übernahmeansprüche nach ihrer Ausbildung pochen. Dieser Schutz erstreckt sich über die Amtszeit hinaus, und eine enge Abstimmung mit dem Betriebsrat ist erforderlich.

Weiterer Sicherheiten

Die Jugend- und Auszubildendenvertretung genießt gesetzliche Schutzbestimmungen, um sicherzustellen, dass engagierte junge Menschen nicht durch den Arbeitgeber benachteiligt werden. Diese Schutzregelungen sind einfach zu verstehen und bieten den Mitgliedern Sicherheit in ihrer Arbeit:

  1. Arbeitgeber darf nicht behindern oder benachteiligen: Der Arbeitgeber darf die JAV nicht in ihrer Arbeit behindern oder im Betrieb benachteiligen. Diese Regelung soll sicherstellen, dass die JAV frei und unabhängig agieren kann.
  2. Entlassung nur bei außerordentlichen Gründen mit Betriebsrat-Zustimmung: Eine Entlassung eines JAV-Mitglieds ist nur bei außerordentlichen Gründen wie einer Straftat möglich. Die Zustimmung des Betriebsrats ist in diesem Fall erforderlich.
  3. Übernahme nach der Ausbildung: Der Arbeitgeber muss JAV-Mitglieder und ihre Ersatzkandidaten nach der Ausbildung übernehmen, wenn diese im letzten Jahr vorübergehend als JAV tätig waren. Die Anfrage für die unbefristete Übernahme muss jedoch innerhalb der letzten drei Monate vor Abschluss der Ausbildung beim Arbeitgeber gestellt werden.

Gesetzliche Schutzbestimmungen nach Betriebsverfassungsgesetz: JAV-Mitglieder sind durch das Betriebsverfassungsgesetz (§ 78 BetrVG) vor Benachteiligung und Behinderung geschützt. Zusätzliche Paragraphen ergänzen diesen Schutz:

  • § 78a BetrVG: Schutz vor Nichtübernahme nach Ende der Ausbildung
  • § 103 BetrVG: Erschwerung der außerordentlichen Kündigung
  • § 15 KSchG: Schutz vor ordentlicher Kündigung

Verbot von Störungen und Benachteiligungen: Das Gesetz verbietet jegliche Handlungen, die die JAV-Arbeit stören könnten. Dies schließt auch unbeabsichtigte, aber objektiv vorhandene Störungen ein. Ein JAV-Mitglied darf aufgrund seiner Tätigkeit nicht schlechter gestellt werden als die Kollegen, einschließlich Vorgesetzter und außerbetrieblicher Stellen wie der Berufsschule.

Beispiele für mögliche Störungen oder Behinderungen der Tätigkeit:

  • Verhinderung oder Behinderung von JAV-Sitzungen oder Versammlungen
  • Verweigerung des Zugangs zu Arbeitsplätzen
  • Verpflichtung der Beschäftigten zum Schweigen gegenüber der Jugend- und Auszubildendenvertretung 
  • Nichtbereitstellung erforderlicher Räume und Mittel
  • Ei genmächtiges Entfernen von JAV-Informationen vom Schwarzen Brett

Diese gesetzlichen Bestimmungen sollen sicherstellen, dass die JAV-Mitglieder ihre wichtige Arbeit ohne Einschränkungen und Benachteiligungen ausüben können.

Kosten der JAV

Obwohl die Jugend- und Auszubildendenvertretung ehrenamtlich tätig ist, benötigt sie Arbeitsmittel. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die Kosten für notwendige Ressourcen zu übernehmen, damit die JAV ihre Aufgaben sachgerecht erfüllen kann. Von Büroeinrichtung bis Seminarbesuchen – alle Kosten werden berücksichtigt.

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