Betriebsversammlung: Einladung, Inhalte, Ablauf

Betriebsversammlungen sind regelmäßige Treffen zwischen dem Betriebsrat und der Belegschaft. Sie bieten die Möglichkeit, alle auf dem Laufenden zu halten und Informationen auszutauschen. Für den Betriebsrat ist dies die wichtigste Möglichkeit, mit den Mitarbeitern zu kommunizieren. Die Belegschaft hat das Recht auf eine Betriebsversammlung, die gemäß § 43 BetrVG (Betriebsverfassungsgesetz) alle drei Monate stattfinden muss.

Die Betriebsversammlung ist perfekt, um die Arbeit des Betriebsrats effektiv zu präsentieren. Wir zeigen Ihnen, wie Sie die richtigen Themen auswählen und geben hilfreiche Tipps – von der Einladungsgestaltung über die Organisation bis hin zur lebendigen Präsentation der Vorträge. Unten finden Sie außerdem eine kostenlose Muster-Einladung sowie eine Checkliste zum Download. Auf diese Weise wird Ihre Betriebsversammlung ein voller Erfolg.

Wer ruft eine Betriebsversammlung ein?

Betriebsversammlungen können nur vom Betriebsrat einberufen werden. Dennoch kann der Betriebsrat durch Arbeitgeber, Kollegen und Gewerkschaft dazu aufgefordert werden eine Betriebsversammlung einzurufen.
 

Der Betriebsrat hat das Hausrecht
Aufgrund des Hausrechts kann der Betriebsrat vom Arbeitgeber verlangen, das Betreten des Betriebsgeländes durch Betriebsfremde zu dulden, wenn dies zur ordnungsgemäßen Erfüllung Ihrer Betriebsratsaufgaben erforderlich ist. Dazu zählen z. B. Rechtsanwälte oder Sachverständige als Gäste bei einer Betriebsversammlung. Das Hausrecht bedeutet auch die Befugnis, anderen das Betreten von Räumlichkeiten zu untersagen und deren Anwesenheit auszuschließen.

Arbeitgeber

Der Arbeitgeber kann seine Belegschaft zwar nicht selbst zu einer Betriebsversammlung einladen, aber er kann vom Betriebsrat verlangen, das zu tun. Die Arbeitnehmervertretung muss der Forderung nachkommen und auch das vom Chef beantragte Thema auf die Tagesordnung setzen.

Mitarbeiter

Auch die Mitarbeiter können eine Versammlung einfordern, wenn dies mindestens ein Viertel der Belegschaft will.

Gewerkschaft

Gewerkschaften, die im Betrieb vertreten sind (also Mitglieder haben, die hier angestellt sind), können eine Betriebsversammlung einfordern. Hat im Quartal zuvor noch keine Betriebs- oder Abteilungsversammlung stattgefunden, muss der Betriebsrat spätestens zwei Wochen nach Eingang des Antrags eine solche Betriebsversammlung abhalten.  

Welche Aufgaben hat der Betriebsrat?

Für den Betriebsrat ist die Betriebsversammlung die wichtigste Kommunikationsebene mit der Belegschaft. Die sorgfältige Vorbeitung ist daher eine Pflicht!  Die Aufgaben des Betriebsrates im Rahmen der Betriebsversammlung sind im Betriebsverfassungsgesetz geregelt.

Empfehlungen:

  • während der Betriebsversammlung eine Mitschrift anfertigen
  • die direkt im Anschluss durch die Betriebsratsmitglieder auswerten (um aktuell die positiven und negativen Momente der Versammlung fest­halten zu können)
  • für die Stimmung während der Versammlung: vorher einen Beschwerde-Briefkasten einrichten
  • Absprache von Diskussionsbeiträgen mit aktiven Kolleginnen und Kollegen zu konkreten Problemen
  • Aktionen zur Darstellung eines Problems vorbereiten (z. B. bei Kündigungen leere Stühle mit Plakaten aufstellen)

Der Betriebsrat sorgt für einen reibungslosen Ablauf

Der Betriebsratsvorsitzende oder sein Stellvertreter führt die Betriebsversammlung an, es sei denn, beide sind verhindert. In diesem Fall kann der Betriebsrat per Beschluss ein anderes Mitglied beauftragen, die Leitung zu übernehmen. Dies schließt jedoch nicht aus, dass der Betriebsrat ein anderes Mitglied bittet, die Versammlung zu moderieren. Die endgültige Verantwortung für den reibungslosen Ablauf liegt dennoch beim Betriebsratsvorsitzenden. Bei Abteilungsversammlungen sollte ein Betriebsratsmitglied, vorzugsweise aus der betreffenden Abteilung, die Leitung übernehmen, wobei diese Entscheidung per Beschluss getroffen wird.

Die Hauptaufgabe des Versammlungsleiters besteht darin, den Verlauf der Betriebsversammlung zu organisieren und die Redebeiträge gemäß der Tagesordnung zu moderieren. Er führt die Rednerliste, erteilt und entzieht bei Bedarf das Wort. Außerdem nimmt er Beiträge aus der Belegschaft entgegen und leitet Abstimmungen auf Antrag der Arbeitnehmer. Der Versammlungsleiter hat das Hausrecht im Versammlungsraum einschließlich der Zugangswege. Die Betriebsversammlung muss den Grundsätzen des betrieblichen Friedens folgen. Der Versammlungsleiter muss sicherstellen, dass Diskussionen über Arbeitskampfmaßnahmen und parteipolitische Aktivitäten unterbunden werden. Niemand darf in der Betriebs- oder Abteilungsversammlung zu wirtschaftlichen Kampfmaßnahmen wie Streiks, Sitzstreiks, Arbeitsverlangsamungen, Betriebsbesetzungen, Aussperrungen oder Boykotten aufrufen.

Häufigkeit von Betriebsversammlungen

Der Betriebsrat muss jeweils eine Betriebsversammlung im Quartal einberufen (§ 43 Abs. 1 Satz 1 BetrVG) und dient zur Aussprache und zum Informationsfluss zwischen dem Betriebsrat und der Belegschaft. Die Versammlungen sind erforderlich, damit der Betriebsrat seine Arbeit darstellen kann und ist dabei ein wichtiges Mittel der Öffentlichkeitsarbeit

Wann finden sie statt?

Betriebsversammlungen finden während der regulären Arbeitszeit statt und jeder Arbeitnehmende darf daran teilnehmen. Die Teilnahme an der Betriebsversammlung wird allen Arbeitnehmenden wie Arbeitszeit vergütet. Entstehen dabei Fahrtkosten für die Teilnahme, sind auch diese vom Arbeitgeber zu erstatten (§ 44 Abs. 1 BetrVG). Der Zeitpunkt und die Tagesordnung sollten immer rechtzeitig bekannt gegeben werden.

Veranstaltungsort

Betriebsversammlungen finden häufig in geeigneten Räumlichkeiten des Betriebes statt. Sollte es notwendig sein, dass die Betriebsversammlung außerhalb des Betriebs stattfinden, muss ein extra Raum angemietet werden.

Während der Corona Pandemie war es ebenfalls möglich eine Online Betriebsversammlung durchzuführen (§ 129 BetrVG). Mit Ablauf des 07.04.2023 besteht nun leider nicht mehr die Möglichkeit Betriebsversammlungen audiovisuell durchzuführen.

Betriebsversammlung
Betriebsversammlung

Kosten

Der Arbeitgeber trägt die Kosten für den Versammlungsraum und die Technik (auch, wenn ein extra Raum angemietet werden muss). 

5 Fakten zur Betriebsversammlung

Inhalte

Der Tätigkeitsbericht des Betriebsrats (§ 43 Abs. 1 S. 1 BetrVG) ist das Kernstück der Betriebsversammlung, denn er soll die Arbeitnehmer über die seit der letzten Betriebsversammlung eingetretenen wichtigen Ereignisse sowie über Angelegenheiten informieren. Besonders die, die für die Belegschaft bedeutsam sind. Der gesetzliche Rahmen bietet einen breiten Ermessensspielraum für die Themenwahl.

Themen der Betriebs- und Abteilungsversammlungen

Die Betriebs- und Abteilungsversammlungen können Angelegenheiten einschließlich solcher

  • tarifpolitischer,
  • sozialpolitischer,
  • umweltpolitischer und
  • wirtschaftlicher Art sowie
  • Fragen der Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern und der
  • Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit sowie der
  • Integration der im Betrieb beschäftigten ausländischen Arbeitnehmer behandeln, die den Betrieb oder seine Arbeitnehmer unmittelbar betreffen;

Grundsätze des § 74 Abs. 2 BetrVG finden dabei Anwendung. Dort wird gesagt, was nicht auf der Betriebsversammlung Thema sein darf. Die Betriebs- und Abteilungsversammlungen können dem Betriebsrat Anträge unterbreiten und zu seinen Beschlüssen Stellung nehmen. 

  •  Änderungen des Tarifvertrags,
  • Unterrichtung über den Stand der Tarifverhandlungen, und anstehende Maßnahmen,
  • Erläuterung von tarifrechtlichen Regelungen,
  • Qualifizierungsforderungen,
  • Demographischer Wandel und gewerkschaftliche Forderungen auf der betrieblichen Ebene,
  • Gesundheit, Arbeits- und Unfallschutz (Gute Arbeit oder Gefährdungsbeurteilungen oder Anti-Stress-Verordnung oder … ).

Die Sozialpolitik umfasst alle gesetzlichen Maßnahmen und Regelungen, die darauf abzielen, die Rechte und Position der Arbeitnehmer zu schützen oder zu verbessern. Dazu gehören Themen wie Sozialversicherung, Arbeitsmarkt, Arbeitsschutz, Ausbildung, Vermögensbildung, flexible Rentenregelungen und die Möglichkeit, die Arbeitszeit im Alter zu reduzieren. Hierzu gehören z. B.:

 

  • Sozialversicherung,
  • Arbeitsmarktpolitik,
  • Arbeits- und Unfallschutzes,
  • beruflichen Bildung,
  • Vermögensbildung,
  • flexiblen Altersgrenzen (s.a. Demografie),
  • sozialen und gesellschaftlichen Eingliederung,
  • Integration der ausländischer oder arbeitsloser Arbeitnehmer,
  • Gleichstellung von Mann und Frau im Arbeitsleben,
  • Arbeitsmedizin,
  • umweltpolitischen Themen.

Wirtschaftliche Angelegenheiten in der Betriebsratsarbeit umfassen Themen in Gesetzgebung, allgemeiner Wirtschaftspolitik und konkreten wirtschaftlichen Maßnahmen des Arbeitgebers. Dabei ist ein direkter Bezug zum Betrieb notwendig. In einem exportorientierten Betrieb können dies beispielsweise Diskussionen über internationale Währungspolitik, Subventionen für bestimmte Wirtschaftsbereiche und die Auswirkungen der Steuergesetzgebung auf den Betrieb sein. Auch der bevorstehende Wechsel des Betriebsinhabers oder Fragen zu Unternehmenskonzentrationen und multinationalen Fusionen, die den Betrieb betreffen, fallen unter wirtschaftliche Angelegenheiten. Hierzu gehören:

 

  • neue Gesetzgebungen (AGG, Änderungen beim BetrVG, ….),
  • Auswirkungen der Steuerpolitik auf den Betrieb,
  • strukturpolitische Maßnahmen,
  • Fragen der Vereinbarkeit von Familie und Erwerbstätigkeit,
  • konkrete wirtschaftliche Maßnahmen Ihres Betriebs,
  • Subventionen für bestimmte Wirtschaftsbereiche,
  • ein möglicher Betriebsinhaberwechsel.

Teilnehmer

Betriebsversammlungen sind immer nicht-öffentliche Veranstaltungen und deshalb können nur die Beschäftigten des Unternehmens daran teilnehmen.

Teilnehmen dürfen:

Auch der Arbeitgeber nimmt an der Betriebsversammlung teil. Er muss auch vorab formal über den Termin informiert und mit der Tagesordnung dazu eingeladen werden. Er darf auch einen Vertreter vom Arbeitgeberverband mitbringen.
Aber auch der Vertreter der im Betrieb vertretenen Gewerkschaften kann als Gast teilnehmen.
Externe Gäste sind ansonsten nur erlaubt, wenn der Betriebsrat sie zuvor eingeladen hat – beispielsweise als Referenten für ein bestimmtes Thema.

Teilnahme von Gewerkschaften

Die Beauftragten der Gewerkschaften im Betrieb dürfen automatisch an allen Versammlungen teilnehmen und sie haben das Recht zu sprechen, ohne vorher eine besondere Erlaubnis einholen zu müssen. Der Arbeitgeber kann nicht dagegen sein, dass Vertreter der Gewerkschaften im Betrieb an den Versammlungen teilnehmen.

Auch der Betriebsrat kann nicht verhindern, dass ein Vertreter der Gewerkschaft teilnimmt, da er in diesem Fall pflichtwidrig handeln würde.

Die Beauftragten von Arbeitgebervereinigungen haben nicht automatisch das Recht, an Versammlungen teilzunehmen. Der Arbeitgeber kann sie nur beratend hinzuziehen doch der Betriebsratsvorsitzende, der die Versammlung leitet, kann ihnen das Wort erteilen, wenn es sinnvoll erscheint.

Wenn eine Gewerkschaft im Betrieb vertreten ist und im letzten Halbjahr keine Versammlungen stattgefunden haben, kann sie beim Betriebsrat beantragen, eine Versammlung einzuberufen. Zwei Wochen nach Antragseingang muss dann eine entsprechende Versammlung stattfinden.

Wer darf nicht an einer Betriebsversammlung teilnehmen?

Nicht teilnehmen dürfen leitende Angestellte. Leitende Angestellte sind nur Personen, die eigenständig Mitarbeiter einstellen und entlassen können, oder Prokura für das Unternehmen haben und dazu gehören in der Regel nur die Chefs aus dem obersten Management. Auch diese dürfen das in vielen Betrieben heute nicht mehr, weil die ferne Konzernleitung auch den Headcount vorgibt!

Der Arbeitgeber darf die Teilnahme an einer Betriebsversammlung nicht einseitig unter­sagen. Wenn der Arbeitgeber dringende betriebliche Bedürfnisse für die Weiterarbeit einzelner oder von Gruppen von Arbeitnehmern geltend macht, so muss er diese Frage mit dem Betriebsrat klären. Eine Kündigung wegen der Teilnahme ist unzulässig, die Arbeitnehmer haben einen Entgeltanspruch und sind nicht zur Nacharbeit verpflichtet (LAG Hamburg 12.7.7984 – 7 Sa 30/84).

Tagesordnung

Eine typische Tagesordnung für die Betriebsversammlung könnte wie folgt aussehen:

1

Begrüßung durch den Betriebsrat

2

Tätigkeitsbericht des Betriebsrats

3

Bericht des GBR/KBR

4

Bericht der Gewerkschaft

5

Bericht des Personalwesens

6

Bericht des Arbeitgebers

7

Stellungnahme des Betriebsrats

8

Sonstiges z. B. Fragen aus der Belegschaft

 

Nach jedem Tagesordnungspunkt sollen die Teilnehmer ausreichend Gelegenheit zur Diskussion haben. Die Stellungnahmen und Willensäußerungen der Betriebsversammlung werden durch Beschluss getroffen. Jeder teilnahmeberechtigte Arbeitnehmer oder der Betriebsrat, nicht jedoch der Arbeitgeber, kann Anträge einbringen. Abstimmungsberechtigt sind ausschließlich die Arbeitnehmer des Betriebs, und es gibt keine speziellen Anforderungen an die Beschlussfähigkeit. Die Beschlüsse werden mit einfacher Stimmenmehrheit gefasst. Die Betriebsversammlung hat jedoch keine Befugnis, Betriebsvereinbarungen abzuschließen, zu kündigen oder aufzuheben.

Die gefassten Beschlüsse können Anregungen oder Arbeitsaufträge an den Betriebsrat beinhalten, der jedoch nicht rechtlich daran gebunden ist. Der Betriebsrat muss die Beschlüsse sorgfältig prüfen, um festzustellen, ob sie seine gesetzlichen Pflichten aus dem Betriebsverfassungsgesetz berühren. Beachtung: Ignoriert der Betriebsrat berechtigte Beschlüsse, könnte dies als grobe Pflichtverletzung betrachtet werden.

Es wird empfohlen, ein Protokoll gemäß § 34 BetrVG anzufertigen, in dem eventuelle Beschlüsse der Betriebsversammlung festgehalten werden. Ton- oder Filmaufnahmen sind in der Regel nur mit Zustimmung der Teilnehmer zulässig und müssen im Voraus bekannt gegeben werden. Redner können verlangen, dass ihre Beiträge nicht aufgezeichnet werden.

Dauer

Es hat sich bewährt, Betriebsversammlungen auf ca. 2 Stunden zu begrenzen. Normalerweise gehen die Kollegen eher zu einer kurzen Betriebsversammlung, weil

  • sie glauben, es in ihrer Arbeit besser unterbringen zu können.
  • die Inhalte sich tatsächlich auf wirklich Wichtiges beschränken und konzentriert vorgetragen werden (dadurch ist die Beteiligung i.d.R. höher).
  • wichtige Themen breit vermittelt werden können.
  • es klar wird, dass der Besuch einer Betriebsversammlung ist keine verschwendete Zeit.

Wenn allerdings außerordentliche betriebliche Situationen vorliegen oder entstehen, ist eine Betriebsversammlung so lang wie es erforderlich ist. In extremen Einzelfällen hat es bereits Betriebsversammlungen gegeben, die mehrere Tage dauerten.

Feste Themen

Auf der Tagesordnung sollte immer der Tätigkeitsbericht des Betriebsrats stehen und dieser sollte alle Themen abdecken, die für die Mitarbeiter interessant sind.

Einmal im Jahr muss der Arbeitgeber einen Jahresbericht vorlegen (gemäß § 43 Abs. 2 Satz 3 BetrVG). Dabei informiert er über die Personalentwicklung, die wirtschaftliche Lage und Entwicklung des Betriebs sowie den betrieblichen Umweltschutz. Zusätzlich sollten auf der Betriebsversammlung alle wichtigen Themen besprochen werden, die den Betrieb oder die Mitarbeiter betreffen.

Tätigkeitsbericht des Betriebsrats

Der Bericht soll die Arbeitnehmer über wichtige Ereignisse seit der letzten Betriebsversammlung informieren und auch Angelegenheiten aufgreifen, die für die Belegschaft wichtig sind. Dabei sollte der Bericht nicht nur Fakten präsentieren, sondern auch die Überlegungen und Standpunkte des Betriebsrats bei seinen Entscheidungen erklären. Es besteht ein großer Handlungsspielraum innerhalb der gesetzlichen Vorgaben für die Auswahl der Themen.

Darf der Betriebsrat Gäste zur Betriebsversammlung einladen?

Da es sich bei der Versammlung um eine Veranstaltung des Betriebsrates handelt, darf er auch Gäste dazu einladen. Die Zustimmung des Arbeitgebers ist dazu nicht erforderlich.
Dazu gehören u.a.:

  • Sachverständige – ein Einverständnis des Arbeitgebers ist nicht erforderlich, sofern ein Honoraranspruch des Sachverständigen nicht besteht,
  • Personen deren Teilnahme sachdienlich ist, z.B. wenn zu einem Thema der Betriebsversammlung ein Referat gehalten wird,
  • Dolmetscher oder Gebärdendolmetscher,
  • Personen, gegen deren Anwesenheit vom Arbeitgeber und Betriebsrat keine Bedenken erhoben werden!

Das Einladungsrecht ist nicht unbegrenzt, denn die Versammlungen sind grundsätzlich nichtöffentliche Veranstaltungen. Die „Erfordernis“ begrenzt den Spielraum der Einladungen und Teilnahmen.
Bei besonderen und kritischen Punkten können die nicht erforderlichen Betriebsfremden gebeten werden die Versammlung zu verlassen. 

Checkliste

  • Raum;
  • Lautsprecheranlage und Saalmikrophone;
  • Bestuhlung;
  • gegebenenfalls Tageslichtprojektor und Leinwand;
  • sonstige Maßnahmen zur attraktiven Gestaltung der Räumlichkeit (z. B. Fotoausstellung, Plakate, Transparente, Info- und Büchertisch).

Den Arbeitgeber auffordern, die Räumlichkeit freizuhalten, die notwendigen technischen Einrichtungen zur Verfügung zu stellen und den Betriebsablauf so zu gestalten, dass jeder Arbeitnehmer an der Betriebsversammlung teilnehmen kann.

  • Eröffnung der Versammlung;
  • Tätigkeitsbericht des Betriebsrats (in jeder „ordentlichen“ Betriebsversammlung);
  • mindestens einmal im Jahr Bericht des Arbeitgebers;
  • Bericht des Gewerkschaftssekretärs zum Thema …;
  • Bericht sonstiger betrieblicher Funktionsträger: Jugend- und Auszubildendenvertretung, Schwerbehindertenvertretung, Sicherheitsbeauftragte bzw. -fachkräfte, Betriebsarzt, „Umweltschutzbeauftragter“ usw.;
  • gegebenenfalls Referat eines außerbetrieblichen Referenten (z. B. Gewerkschaftssekretär, Sachverständiger usw.) zu einem aktuellen Schwerpunktthema;
  • die Reihenfolge der Tagesordnungspunkte für jede Versammlung (neu) bestimmen (nach Aktualität und Wichtigkeit); einen Hinweis darauf geben, dass nach jedem Tagesordnungspunkt Möglichkeit der Aussprache besteht.
  • inhaltliche Schwerpunkte in einer Vorbereitungssitzung des Betriebsrats festlegen:
  • Themenliste erstellen,
  • unwichtige Punkte aussortieren,
  • inhaltliche Schwerpunkte in eine sinnvolle Reihenfolge bringen (auf klare und nachvollziehbare Gliederung achten),
  • zeitlichen Rahmen für jeden Punkt (in etwa) festlegen (was kann kurz, was muss ausführlicher dargestellt werden?),
  • Tätigkeitsbericht insgesamt nicht länger als 45 Minuten;
  • bei der Festlegung des Inhaltes des Tätigkeitsberichtes die Jugend- und Auszubildendenvertretung, die Schwerbehindertenvertretung, den gewerkschaft¬lichen Vertrauenskörper (Vertrauenskörperleitung) einbeziehen;
  • zu jedem inhaltlichen Schwerpunkt darstellen:
  • Was ist (im letzten Quartal) geschehen (z. B. betriebliche Probleme, Maßnahmen des Arbeitgebers, Anregungen od. Beschwerden von Beschäftigten)?
  • Was hat der Betriebsrat in der betreffenden Angelegenheit gefordert?
  • Wie hat der Arbeitgeber auf die Forderungen bzw. Maßnahmen des Betriebsrats reagiert; wie lautete die Position des Arbeitgebers, mit welchen Methoden hat er „gearbeitet“?
  • Welche Schritte zur Durchsetzung seiner Forderungen hat der Betriebsrat (und haben ggf. andere Gremien) unternommen?
  • Was konnte erreicht werden? Wer und/oder was war für den (Teil-)Erfolg verantwortlich?
  • Was konnte nicht erreicht werden?  Wer oder was war für den Misserfolg verantwortlich?
  • falls zum Zeitpunkt der Betriebsversammlung eine Angelegenheit noch „in Arbeit“ ist:
  • Wie ist der Stand der Verhandlungen mit dem Arbeitgeber?
  • Worüber konnte Einigkeit erzielt werden?
  • Was ist strittig?
  • Ausblick in das nächste Quartal:
  • Welche Aufgaben sollen nach der Arbeitsplanung des Betriebsrats dem-nächst angepackt werden?
  • Tätigkeitsbericht arbeitsteilig erstellen (Ausschüsse, einzelne Betriebsratsmitglieder beauftragen), schriftliche Vorlagen und gut lesbare Folien (Grafiken) für Ta¬geslichtprojektor anfertigen.
  • in der letzten Betriebsratssitzung vor der Betriebsversammlung die Endfassung des Tätigkeitsberichts beraten und beschließen;
  • festlegen, wer welche Teile des Tätigkeitsberichts in der Betriebsversammlung vorträgt (die „Neulinge“ ermutigen).

mit etwaigem (außerbetrieblichen) Referenten (z. B. Gewerkschaftssekretär) Ziel, Inhalt, Zeitpunkt und Dauer des Referats absprechen.

(soweit dieser insgesamt oder in Teilen bekannt ist, vgl. § 110 BetrVG)

(Jugend- und Auszubildendenvertretung, Schwerbehindertenvertretung, Vertrauenskörper) über Ziel, Inhalt, Dauer, Zeitpunkt von Redebeiträgen zum Tätigkeitsbericht sowie zu sonstigen in der Betriebsversammlung behandelten Themen.

(Themen genau bezeichnen, attraktive Gestaltung, Aushang am „Schwarzen Brett).

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