ChatGPT als Informationsquelle für Betriebsräte

Was ist ChatGPT?

ChatGPT ist ein Chatbot. Nutzer können mit diesem zu nahezu jedem erdenklichen Thema in einen Dialog treten und sich mit ihm in natürlicher Sprache unterhalten. Der Bot antwortet auf Fragen, schreibt Texte zu gewünschten Themen, übersetzt diese oder formuliert welche um. Wenn Nutzer sich einen Open-AI Account anlegen, kann ChatGPT hier kostenfrei ausprobiert werden.

Wie funktioniert ChatGPT

Für den ChatGPT Bot kommt KI (Künstliche Intelligenz) zum Einsatz. Der Bot basiert auf sogenannten Deep-Learning-Modellen. Er wurde mittels maschinellem Lernen mit Milliarden von Wörtern und Sätzen trainiert. Anschließend erfolgte ein Finetuning zur Verbesserung des zugrundeliegenden Sprachmodells. Stellt ein Nutzer eine Anfrage sucht der Bot in seiner riesigen Datenbank nach einer Antwort. Wichtig ist, dass ChatGPT nicht über Wissen verfügt. Vielmehr berechnet der dahinterstehende Algorithmus auf Basis seines Datensatzes bei den Antworten die Wahrscheinlichkeit für das nächste Wort. Wird ChatGPT zum Beispiel eine Frage gestellt, wird der Bot zunächst nur das erste Wort der Antwort bestimmen. Der Rest der Antwort steht zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest. Nach Festlegung des ersten Wortes, berechnet er welches Wort aller Wahrscheinlichkeit nach als nächstes kommt und wählt dieses aus. Beispielsweise ist die Wahrscheinlichkeit, dass auf ein „Ich“ ein Verb folgt viel höher als das ein Nomen folgt. Der Antwortvorgang endet, wenn ein sogenanntes Abbruchkommando kommt. ChatGPT verfügt somit über kein Tiefenwissen. Das bedeutet, dass ChatGPT auch falsche oder fehlerhafte Antworten und Inforationen liefert.

ChatGPT bei betriebsrätlichen Fragestellungen

Vor etwa einem Jahr haben wir uns in diesem Artikel mit der Frage beschäftigt, wie ChatGPT in der Betriebsratsarbeit eingesetzt werden kann. Zu dem Zweck haben wir dem Chatbot mehrere Fragen gestellt und die Antworten ausgewertet. Doch seitdem hat sich viel getan: ChatGPT hat erhebliche Fortschritte gemacht, insbesondere bei der Verarbeitung von Suchanfragen, der Volltextsuche und der allgemeinen Qualität seiner Antworten. Damals wurden unsere Fragen aus dem Betriebsratsalltag teilweise sehr gut, teilweise aber auch völlig falsch beantwortet.

Vorteile von ChatGPT in der Betriebsratsarbeit

Die Nutzung von ChatGPT bietet zahlreiche Vorteile, die insbesondere für die vielfältigen Aufgaben eines Betriebsrats von Nutzen sein können:

  1. Geschwindigkeit und Effizienz
    ChatGPT liefert innerhalb von Sekunden Antworten auf Fragen, die sonst langwierige Recherchen in Fachbüchern oder im Internet erfordern würden.

  2. Antworten in natürlicher Sprache
    Statt trockener, schwer verständlicher Texte formuliert ChatGPT Antworten so, dass sie leicht zu lesen und zu verstehen sind. Außerdem beantwortet ChatGPT exakt die gestellte Frage.

  3. Integration mehrerer Quellen
    Der Chatbot kann Informationen aus unterschiedlichen Quellen zusammenfassen und so einen umfassenden Überblick über ein Thema bieten.

  4. Suchanfragen in natürlicher Sprache
    Statt komplizierter Suchbegriffe oder spezieller Befehle genügt es, ChatGPT Fragen so zu stellen, wie man sie einem Kollegen stellen würde.

  5. Textbearbeitung und Optimierung
    ChatGPT kann Texte, die man selbst erstellt hat, überarbeiten, vereinfachen oder ansprechender formulieren. Das ist besonders hilfreich bei der Erstellung von Berichten, Anschreiben oder Präsentationen.


Risiken bei der Nutzung von ChatGPT bei der Betriebsratsarbeit

Insbesondere, wenn es um die juristisch korrekte Beantwortung von Fragen rund um die Betriebsratsarbeit geht, ist ChatGPT als Quelle immer (wie jede andere auch) zu überprüfen. Die Qualität der Antworten von ChatGPT schwankt.  Leider auch dann, wenn die Antwort vermeintlich zunächst gut und plausibel klingt. Eine sorgfältige Recherche im Internet sowie den Besuch von Schulungen kann ChatGPT somit nicht ersetzen.

Nachteile und Herausforderungen

Trotz seiner Stärken ist der Einsatz von ChatGPT nicht ohne Fallstricke. Es gibt einige wichtige Punkte zu beachten:

  1. Qualität der Antworten
    Die Informationen von ChatGPT sind nur so gut wie die Quellen, auf die es zugreift. Der Chatbot hat keine Fähigkeit zur Beurteilung, welche Informationen korrekt oder vertrauenswürdig sind.

  2. Aktualität der Daten
    ChatGPT kann nicht immer auf die neuesten Informationen zugreifen. Gerade bei rechtlichen oder organisatorischen Fragen, die sich häufig ändern, muss man sicherstellen, dass die gelieferten Antworten aktuell sind.

  3. Halluzinationen
    Manchmal liefert ChatGPT Antworten, die auf den ersten Blick korrekt und fundiert klingen, in Wirklichkeit aber falsch sind. Dieser Umstand erfordert eine gründliche Überprüfung aller Ergebnisse.

  4. Fehlende Quellenangaben
    ChatGPT nennt in seinen Antworten keine genauen Quellen. Das erschwert die Nachverfolgung der Informationen und ihre Verifizierung.

Nutzen von ChatGPT für die Betriebsratsarbeit

Auch, wenn ChatGPT eingeschränkt zur Informationsgewinnung dienen kann, gibt es andere Möglichkeiten den Chat Bot im Rahmen der Betriebsratsarbeit zusätzlich gewinnbringend zu nutzen. Er könnte Textentwürfe schreiben, Texte übersetzen oder umformulieren. So kann er z. B. im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit benutzt werden, um Texte genderneutral zu gestalten oder sie in eine einfache Sprache umzuformulieren. Auch zur Information von nicht deutschsprachigen Kollegen kann die Übersetzungsmöglichkeit sinnvoll genutzt werden.

Stand: November 2024