Wie der Betriebsrat Ziele erreicht

Der Betriebsratsalltag ist geprägt von Zielen. Ob es um die Durchführung der nächsten Betriebsversammlung, den Abschluss einer Betriebsvereinbarung oder die Einstellung von Kollegen geht. Ziele sind allgegenwärtig auch, wenn sie nicht immer konkret als solche benannt werden. Dennoch haben viele Betriebsräte insbesondere bei größeren Projekten Schwierigkeiten Ziele zu erreichen. Dies zeigt auch der Trend unser kürzlich durchgeführten Umfrage. Wie kann es Betriebsräten gelingen Ziele zu erreichen und welche Tipps und Tricks gibt es abseits von SMART oder ABC-Techniken, die sich auch auf wissenschaftliche Befunde stützen und neue Impulse liefern die eigene Zielerreichung zu verbessern.

Ziele erreichen

Ziele auswählen

Schwierigkeitsgrad

Alles beginnt bei der Zielauswahl. Es sollten Ziele ausgewählt werden, die mäßig anspruchsvoll sind. Dass sie nicht zu schwer sein sollten, ist sicherlich einleuchtend, doch sie sollten auch keinesfalls zu leicht sein. Auch, wenn es kontraintuitiv wirkt, zeigen Studienergebnisse, dass Ziele dann am häufigsten erreicht werden, wenn sie ein bisschen über das hinausgehen was wir glauben, erreichen zu können. Sie sollten entsprechend herausfordernd und gleichzeitig nicht überfordernd sein.

Zielanzahl

Wenn neue Ziele ausgewählt werden, sollte immer bedacht werden wie viele Ziele zurzeit parallel verfolgt werden oder verfolgt werden sollen. Je mehr Ziele, desto leichter kann es zu einer Überforderung kommen und desto länger dauert es in der Regel, bis die einzelnen Ziele erreicht werden können, sodass deutlich längere Frustration, Stress & Co. ausgehalten werden müssen. Auf die Betriebsratsarbeit begrenzt kann es lohnend sein zunächst eine Liste mit allen Zielen anzufertigen und dann Prioritäten zu setzen bzw. einzelne oder ein Ziel auszuwählen. Bestenfalls besteht hier eine Passung mit eigenen Interessen und Werten.

Weniger ist mehr.

Ziel festlegen

Ist das Ziel klar, ist es hilfreich das Ziel aufzuschreiben. Am besten ganz oldschool mit Papier und Stift, da diese Variante hilft das Ziel im Gedächtnis zu verankern. Das Ziel konkret zu benennen ist einer der zwei wichtigsten Faktoren für die Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung. Und das geht wie folgt: Notieren sie nicht nur das gewünschte Endergebnis z. B. „ich möchte Kraft aufbauen“ oder auf den Betriebsratskontext bezogen „ich möchte fit im Arbeitsrecht werden“. In jedem Fall sollte das Kernelement, dass zur Zielerreichung notwendig ist, im Ziel formuliert werden. Auf unsere Beispiele bezogen:

Statt:

Ich möchte Kraft aufbauen.

Besser:

Ich gehe dreimal pro Woche für mindestens 60 Minuten ins Fitnessstudio, wobei 50 Minuten davon harte Arbeit sind.

Statt:

Ich möchte fit im Arbeitsrecht werden.

Besser:

Ich möchte in den nächsten 6 Monaten zwei Seminare zum Arbeitsrecht über je 5 Tage besuchen und wöchentlich im Rahmen der Betriebsratsarbeit mich mind. 30 Minuten mit arbeitsrechtlichen Fragen beschäftigen.

Wobei sich auch unsere „besseren“-Varianten natürlich auch noch weiter spezifizieren lassen.  Werden die Ziele spezifisch und messbar definiert, ist die Wahrscheinlichkeit zwei Mal höher, dass die Zielerreichung gelingt. Hier ist also Zeit lassen angesagt und nichts übereilen. Eine gute Vorbereitung ist wesentlich für die Zielerreichung.

Die Wissenschaft zeigt: Die zwei entscheidenden Faktoren zum Erreichen von Zielen sind Spezifität und Messbarkeit.

Zeitplanung

In unseren „besser“-Varianten steckte es schon drin – die Zeitangabe. Ziele sollten in jedem Fall terminiert sein. Und nicht nur die Frage bis wann (Endzeitpunkt) sollte geklärt sein, auch die Frage wie viel Zeit mit dem Ziel pro Tag, Woche oder Monat verbracht werden soll. Jedes größere Ziel braucht Zwischenziele bzw. Mikroziele, die wiederrum auch zeitlich determiniert sind. In unserem Beispiel von oben haben wir als Endzeitpunkt in 6 Monaten gewählt und als wöchentliche Einheit zwei Mal fünf Tage Seminar sowie wöchentlich mind. 30 Minuten. Gerade bei dem zuletzt genannten Zeitpunkt ist es wichtig zu prüfen, ob wir uns über diese Zeit gut konzentrieren können. Ist die Zeit zu lang, ist es sinnvoll die Einheit in 2 x 15 Minuten aufzuteilen. Nutzt hier gerne die Pomodoro-Technik. Außerdem ist es auch sinnvoll zu planen, wann genau die 30 Minuten unter der Woche stattfinden sollen. An welchen Wochentagen passt es beispielsweise am besten oder wann ist die Motivation am größten? Grade bei größeren Zielen ist ein 12-Woche-Zyklus günstig, da er gut zu gesellschaftlichen Strukturen (Ferien, Jahreszeiten, Quartalen, etc.) passt.  Der erste Schritt zur Zielerreichung (wie klein er auch sein mag) sollte binnen 24 Stunden nach Zieldefinition erfolgen.

SMARTe Ziele

Ziele SMART zu planen, macht also auch vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse Sinn. Doch was bedeutet SMARTE-Zielplanung?

  • S wie spezifisch
    Ziele sollten eindeutig formuliert sein. Das Ziel sollte in jedem Fall positiv formuliert sein (kein Vermeidungsziel, sondern ein Annäherungsziel).
  • M wie messbar
    Bei jedem Ziel muss klar definiert sein, wann es erreicht wurde. Damit das gelingen kann, müssen Ziele messbar sein. Quantitative Faktoren eignen sich hierfür besonders gut, aber auch qualitative Faktoren können über genaue Definition messbar werden.
  • A wie attraktiv
    Wenn die Zielerreichung nicht den eigenen Interessen oder Werten entspricht oder aus dem Ziel kein Nutzen entstehen, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass das Ziel erreicht wird.
  • R wie realistisch
    Um ein Scheitern vorzubeugen, sollten Ziele immer realistisch ausgewählt werden. Sie sollten wie oben diskutiert jedoch nicht zu leicht sein – am besten sind sie ambitioniert gesetzt.
  • T wie terminiert
    Jedes Ziel braucht einen konkreten Zeitpunkt zu dem geprüft wird, ob das Ziel erreicht wurde und der gewünschte Soll-Zustand erreicht wurde. Werden Ziele nicht erreicht, ist die die Zielerreichung nicht gelungen, ist dies der Zeitpunkt, um zu prüfen, welches der SMART-Kriterien ausschlaggebend war. Es gilt also zu prüfen, ob das Ziel spezifisch genug war, die Messbarkeit gegeben ist, es attraktiv genug war, es realistisch war oder die Terminierung z. B. zu knapp bemessen war.

Ziele erreichen

Ist das Ziel SMART definiert und hat einen wohl überlegten Schwierigkeitsgrad, geht es um die die ersten Schritte Richtung Umsetzung. Je nachdem wie hoch die Motivation ist loszulegen, ist das Vorgehen unterschiedlich:

Hohe Motivation: Ist die Motivation hoch loszulegen, hat es sich als hilfreich herausgestellt für 1 bis 3 Minuten zu visualisieren, wie es wäre das Ziel erreicht zu haben.

Niedrige Motivation: Ist die Motivation loszulegen niedrig, hilft es für ca. 1 bis 3 Minuten zu visualisieren, wie es wäre, wenn das Ziel nicht erreicht wird. Außerdem kann es helfen30 bis 60 Sekunden einen Punkt im Raum zu fixieren. Dies hilft die Aufmerksamkeit zu fokussieren und aktiviert den Geist. Auch ermutigende Selbstgespräche helfen die Motivation zu steigern.

Es lohnt sich also vor Start einmal in sich reinzuhorchen und zu prüfen, wie hoch die Motivation zurzeit ist. Ist die Motivation oder der Antrieb dauerhaft niedrig, kann es hilfreicher sein andere Interventionen hinzuziehen (z. B. Regulation des dopaminergen Systems).

Belohnen

Sich zu belohnen ist auch für die Zielerreichung ein hilfreiches Tool. Durch Belohnungen wird Antrieb und Motivation nachweislich verbessert. Studien zeigen jedoch, dass es besser ist sich intermittierend (also nach Zufallsprinzip) zu belohnen als sich jedes Mal nach Erreichen eines Zwischenziels zu belohnen. Für den Alltag bedeutet das: Werft eine Münze und lasst die entscheiden, ob ihr euch belohnt oder nicht. Und dabei ist es egal, ob es sich um physische Belohnungen (z. B. Essen) handelt oder um z. B. Fortschritte evaluieren, Handlungsschritte regelmäßig aktualisieren.

Ablenkungen und Hindernisse

Dass Ablenkungen möglichst reduziert werden sollten und es nicht hilfreich ist, wenn aus den Augenwinkeln immer die eingehenden Nachrichten auf dem Handy zu sehen sind, liegt sicherlich auf der Hand. Nichtsdestotrotz kann es lohnen hierauf im Alltag nochmal mehr zu achten und zu prüfen, inwieweit sich dies auf die eigen Arbeit auswirkt.
Die Hindernisse gehen allerdings über Ablenkungen hinaus.  Hier gilt es zu antizipieren, was der Zielerreichung in die Quere kommen kann (z. B. Arbeitsbelastung, keine Freistellung für Seminare, Motivation) und zu überlegen, wie den Hindernissen begegnet werden kann und diese bestenfalls aus dem Weg geräumt werden.

2 Mythen

Mythe 1:

„Wenn ich andere in mein Ziel miteinbeziehe, werde ich mein Ziel eher erreichen“.
Anderen von Zielen zu erzählen, erhöht nicht die Wahrscheinlichkeit, dass man das Ziel erreicht (liegt an der damit einhergehenden Aktivierung des dopaminergen Systems, die sich neg. auf die Zielerreichung dann auswirkt). Insbesondere wenn das Gegenüber den „Cheerleader“ gibt und einen bestärkt im Sinne von „Du schaffst das“. Besser ist es jemanden einzubeziehen, der nur prüft, ob man weiterhin an dem Ziel arbeitet. Beim obigen Beispiel geblieben wäre es z. B. hilfreich, wenn jmd. nachfragt, ob bereits 30 Minuten arbeitsrechtliche geleistet wurden oder, ob bereits eine Seminaranmeldung stattfand.

Mythe 2:

„Ein Post-It z. B. am Arbeitsrechner ist eine gute visuelle Erinnerungshilfe.“
Leider gewöhnen wir uns viel zu schnell an solche Hinweisreize, sodass sie ihre Funktion recht schnell verlieren. Hilfreich ist dies nur, wenn wir den Post It jeden Tag neu schreiben und an einen neuen Ort kleben.

Am wichtigsten: Ziele anpassen, wenn wir scheitern, überlegen woran es lag, weiter probieren und wenn es nicht klappt, Unterstützung holen (Seminare, Coaching, Therapie etc.)

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